Ein Wort nach den Gemeindewahlen                                                                                                      01.10.08

 

Liebe Gemeinde, liebe Freunde,

 

vor wenigen Wochen wurde ich zur neuen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde in Paderborn gewählt. Das ist ein großes Vertrauen und eine riesige Verantwortung. Wegen der komplizierten Situation, in der sich heute unsere Gemeinde befindet, habe ich diesmal meine Kandidatur nicht zurückgezogen und bin als dritte in die Wahlen gegangen. Weil diese Wahlen jetzt unsere letzte Chance ist und uns ausdrücklich empfohlen wurde, die zu nutzen. Es geht faktisch um das Schicksal der Gemeinde.     

 

Was ist für mich eine Jüdische Kultusgemeinde?

Eine Jüdische Kultusgemeinde ist sie für mich, weil sie ein Haus für die Juden ist. Ein Ort, wo sich die Leute nicht schämen, Juden zu sein, sogar auch wollen. Ein Ort, wo sie sich vor Antisemitismus und vor Antisemiten geschützt füllen können.

 

Eine Jüdische Kultusgemeinde ist sie für mich, weil sie ein Ort ist, wo die jüdische Tradition, die die Juden in der ganzen Welt verbindet, kontinuierlich gepflegt wird. Und diese Kontinuität hält das jüdische Volk am Leben. Daher ist das Weitergehen des religiösen und kulturellen Lebens der jüdischen Gemeinde in Paderborn unser Hauptziel. Alles andere kommt dazu, ergänzt sozusagen die Hauptfunktion.  

 

Eine Jüdische Kultusgemeinde ist sie für mich, weil wir uns hier gemeinsam um unsere Tradition und um einander kümmern wollen. Dabei sollen wir nicht vergessen, dass unsere Gemeinschaft nicht heute entstanden ist. Wir sind Mitglieder der Gemeinde, die eine kleine Gruppe der Holocaustüberlebenden  wieder gegründet hat. Wir setzen das Gemeindeleben der damaligen Gemeinde fort. Mir scheint daher wichtig, dass wir ein gutes Gemeindeleben führen, damit wir uns nicht vor denjenigen, die vor uns hier waren, schämen müssen.        

 

Ich wünsche mir, dass mein Agieren und das von dem Vorstand von persönlicher Verantwortung geprägt sein wird. Die Aufgabe des Vorstands, so wie wir sie sehen, ist die Gemeinde nach Recht und Gewissen und mit Ahnung und Kenntnis zu leiten, und nicht um jeden Preis allen zu gefallen oder allen gefällig zu sein.

 

Liebe Gemeindemitglieder, Sie haben uns den Vertrauenskredit gegeben, die Geschäfte der Gemeinde zu führen und in den Gemeindeangelegenheiten die Entscheidungen zu treffen. Ich hoffe, dass Sie verstehen, dass das keine leichte Aufgabe ist. Wir werden uns für Sie bemühen und rechnen verständlicherweise mit einem korrekten Umgang. Ihre Meinung über unsere Tätigkeit ist uns sehr wichtig. Wir möchten aber, dass dabei demokratische Mittel genutzt werden. Der Vorstand wird einmal im Jahr eine Umfrage über seine Tätigkeit durchführen. Und so können Sie Ihre Meinung äußern, falls Sie mit der Arbeit des Vorstandes oder seines einzelnen Mitglieds nicht zufrieden sein würden. Oder Sie können z.B., was auch demokratisch ist, selbst kandidieren.     

 

Ich rufe alle Gemeindemitglieder und alle Freunde der Gemeinde auf, sich um den Wunsch des Weitergehens unserer Gemeinde zu vereinigen. Die Idee des Gemeindelebens verträgt kein feindliches Verhalten. Wir wären dankbar für die Unterstützung, für ein gutes Wort, für gute Tipps, für freiwilliges Engagement, für das Verständnis.

 

Ich wünsche allen Gemeindemitgliedern und ihren Familien ein gesundes, gesegnetes und ein wirklich süßes Jahr 5769.

 

GMAR HATIMA TOVA

Tanja Rubens

Gemeindevorsitzende