[Company Logo Image] Jüdische Kultusgemeinde Paderborn K.d.ö.R.

News

Home
Synagoge heute
Chronik
Personen
Symbole
Links

 

 

 


Paderborn und die Juden

Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten gab es in Paderborn 80 jüdische Familien mit ca. 350 Seelen. Es herrschte hier ein reges jüdisches Leben, welches Jahrzehnte von Herrn Prediger Louis Weiler geleitet wurde. Unter seiner Leitung fand auch der Religionsunterricht in der Jüdischen Schule statt, die dem Synagogenbau angegliedert war. Die Synagoge und das Schulhaus standen im Zentrum Paderborns Am Bogen. Im Jahre 1923 wurde Herr Prediger Weiler pensioniert und als Nachfolger amtierte bei uns Herr Prediger David Köln bis zu seiner Deportation. Er ist dann leider mit seiner ganzen Familie in den Schreckensjahren umgekommen.

In Paderborn befand sich auch das Jüdische Provinzial-Waisenhaus für Westfalen und Rheinland (Leostraße 3), welches ständig mit 80 bis 100 Zöglingen belegt war. Die Leitung lag anfangs in den Händen von Fräulein Paula Marx und später bei ihrer Nichte Fräulein Liesel Dryer. Der bewährte Lehrer dieser Anstalt war Herr Rosenblatt.

Das Jüdische Provinzial-Waisenhaus.

Es war eine reiche Gemeinde, die mit ihren christlichen Nachbarn in bestem Einvernehmen lebte und durch großzügige Spenden und Wohltätigkeit an die minderbemittelte Bevölkerung großes Ansehen genoß. Es gab viele große Kaufhäuser und Industrie-Unternehmen mit jahrhundertalter Tradition. Im Jahre 1938, als unser schönes Gotteshaus von Frevlerhand verbrannt und zerstört wurde, blieb auch von dieser würdigen Gemeinde nicht mehr viel übrig. Wer sich noch retten konnte ging ins Ausland, der Rest wurde deportiert.

Von alten Paderborner jüdischen Bürgern sind seit der Schreckenszeit nur wenige übrig geblieben. Vor einige Zeit meldete sich zu unserer großen Freude Herr Rechtsanwalt Dr. Albert Rose, jetzt wohnhaft in Los Angeles 36, California, 759 South Detroit Street, seinerzeit 1. Vorsitzender der Synagogengemeinde Paderborn. Ihm verdanken wir einige Hinweise aus früherer Zeit. Von anderer Seite sind uns jedoch so ausführliche Berichte zur Geschichte der Paderborner Juden zugegangen, daß man sogar von einer kleinen Chronik sprechen kann. Sie beginnt mit dem Jahre

1342    Eine Urkunde besagt, daß das Steinhaus des Heinrich Rykenowe in Paderborn (in der Nähe der ehemaligen Marktkirche) von Juden bewohnt ist.

Dann erfahren wir wieder etwas über die Juden in Paderborn zu Anfang des 16. Jahrhunderts. Zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges zwang Christian von Braunschweig die Juden des Hochstiftes zu einer Zwangsabgabe von 30000 Talern.

1627    beschweren sich die Paderborner Juden über Ausschreitungen gegen sie beim Landesherrn (Fürstbischof), der die Übeltäter bestrafen läßt.

1648    ist in einer Schrift von einem "Judenvorgänger" (Judenvorsteher) die Rede.

1661    Der Fürstbischof erhebt die jüdische Gemeinschaft zu einer rechtlichen Institution mit bevollmächtigten Vetretern der Judenschaft. Erster bevollmächtigter Judenvorsteher war Isaac Hertz.

Im 17. Jahrhundert gab es nur einen Rabbiner im Hochstift von Paderborn, der vom "Vorgänger" vorgeschlagen wurde und vom Fürstbischof zu bestätigen war.

1704    gab es im Hochstift von Paderborn 158 jüdische Familien, also bereits eine beträchliche Anzahl.

1764    wird erstmalig eine Synagoge in der Stadt Paderborn erwähnt, unter anderem mit der Bitte um Zuschuß für Instandhaltung an den Fürstbischof.

Der erste jüdische Friedhof in Paderborn lag wahrscheinlich in der Padergasse. 1728 kaufte die Gemeinde ein Grundstück auf dem Liboriberg als Friedhof an. Und 1830 gab es eine jüdische Beerdigungsstätte auf der Schulbrede und 1836 einen Friedhof an der Borchener Straße. Hier wurde die letzte Bestattung im Jahre 1893 vorgenommen. Seit dieser Zeit gibt es den jüdischen Friedhof an der Warburger Straße, auf dem noch heute die Beisetzungen erfolgen. In unserem Bezirk gibt es auch noch 40 geschlossene Friedhöfe.

Über die Gemeinden im Hochstift

1652    gab es im Hochstift Paderborn 77 jüdische Familien.

1671    zählte man im Hochstift Paderborn 88 jüdische Familien.

1678    gab es in der Altstadt von Warburg eine Synagoge.

1704    werden in Beverungen bereits jüdische Lehrer erwähnt.

1740    waren bereits 212 jüdische Familien im Hochstift ansässig und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gab es auch in Brakel, Beverungen und Peckelsheim Rabbiner, in Warburg sogar einen Oberrabbiner. Weit über seinen Amtsbereich hinaus bekannt war Oberrabbiner Samuel Steg aus Warburg, der im Jahre 1773 sein Amt dort antrat.

1784    gab es zwei jüdische Lehrer in Warburg und

1798    erhielt die Gemeinde Nieheim vom Fürstbischof die Erlaubnis zum Bau einer Synagoge, welche im Jahre 1799 eingeweiht wurde.

1854    wurde in Lippstadt die letzte Synagoge erbaut.

1882    Die eingeweihte Synagoge in Paderborn.

 1938    Die brennende Kuppel.

 

Ein für die Paderborner Jüdische Gemeinde sehr wertvoller und interessanter Fund war die Wiederauffindung der Urkunde über die Grundsteinlegung der im Jahre 1881 erbauten und im Jahre 1938 zerstörten Synagoge. Hermann Herzheim, der Großvater des heute amtierenden 1. Vorsitzenden der Paderborner Jüdischen Kultusgemeinde, K. Th. Herzheim, wird darin bereits als Repräsentant der damaligen Jüdischen Gemeinde erwähnt.

Auch das alte schmiedeeiserne Schloß des Hauptportales wurde der Gemeinde vor kurzem wieder übergeben.

Seit 1945 wieder jüdisches Leben in Paderborn

Nach dem Zusammenbruch des Hitlerregimes versuchte man auch in Paderborn im Jahre 1945 wieder eine Jüdische Gemeinde zu bilden. 1953 wurde die Jüdische Kultusgemeinde Paderborn, mit den angeschlossenen Kreisen, Körperschaft des öffentlichen Rechts. Heute zählt die Gemeinde ca. 60 Mitglieder, eine kleine Schar, die sich nach 1945 hier wieder einfand und versucht, jüdisches Leben zu pflegen und aufrecht zu erhalten. Das war nicht immer ganz einfach, denn unsere Mitglieder sind in einem Umkreis von 100 km verstreut ansässig. Eine Synagoge und einen Versammlungsraum hatten wir nicht. Zu den großen Feiertagen versuchten wir bei den Nachbargemeinden unterzukommen. Unsere bescheidenen Feiern veranstalteten wir in hiesigen Restaurationsbetrieben und es war nicht immer leicht, einen passenden Platz zu finden. Mit dem Neubau ist ein Gemeindezentrum geschaffen worden, das nun allen Mitgliedern in religiöser und kultureller Hinsicht einen festen Zusammenhalt ermöglichen soll.

Unser Nachwuchs sind zur Zeit neun Kinder und Jugendliche im Alter von drei bis achtzehn Jahren. Auch für diese Jugend ist es ein erhebendes Gefühl, wieder ein Gotteshaus zu haben und in den dafür bestimmten Nebenräumen Geselligkeit und Gemeinschaftssinn zu pflegen.

Das Werk von Menschenhand ist nun vollendet. Möge der Allmächtige seinen Segen dazu geben, und die Paderborner Gemeinde in Frieden und Eintracht ihr jüdisches Leben in diesem Haus beginnen und für alle Zukunft fortführen können.

Weit öffnen wir auch unsere Tore für unsere nichtjüdischen Mitbürger, damit sie aus Anschauung und persönlicher Erfahrung unsere Tradition miterleben können. Und das gute Verhältnis, das hier immer zwischen Juden und Nichtjuden geherrscht hat, weiter zu fördern und noch zu vertiefen, wird stets eine unserer vornehmsten Aufgaben sein.

Zum Schluß gebührt noch all denen unser besonderer Dank, die uns geholfen haben, das Werk zu vollbringen und nach Möglichkeit bemüht waren, Hindernisse zu beseitigen, wo diese auftraten. Es wurde uns beim Bau unseres Gotteshauses von allen offiziellen Stellen stets das größte Entgegenkommen gezeigt.

1. Vorsteher: K. Th. Herzheim

2. Vorsteher: Paul Mosheim

29. Novenber 1959

29. November 1959 Weihe der neuen Synagoge Paderborn.

 

Auch heute, mehr als 60 Jahre später, ist die Gemeinde offen für alle Mitbürger, die sich für unsere Sitten und Bräuche interessieren. Besucher sind herzlich willkommen, eine vorherige telefonische Anmeldung ist jedoch erwünscht.

1. Vorsitzender: Tanja Rubens aus Paderborn

 

Home ] Synagoge heute ] [ Chronik ] Personen ] Symbole ] Links ] Impressum ]

Send mail to jg-paderborn1@t-online.de with questions or comments about this web site.
Last modified: 15.8.2005